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iOS · 14 min

App Store Connect 2026 — wo die DMA-bedingten Anpassungen bei den Marketplace-Regeln stehen

Zwei Jahre nach dem ersten DMA-Compliance-Stichtag haben sich die Konturen der europäischen App-Store-Connect-Sonderregeln verfestigt. Eine Bestandsaufnahme der Marketplace-Architektur, der Core Technology Fee und der Steered-Purchase-Frage im Mai 2026.

Wer im Frühjahr 2026 in App Store Connect ein neues iOS-Projekt anlegt und dabei den Sitz des entwickelnden Unternehmens in einem EU-Mitgliedsstaat angibt, wird im Setup-Flow seit Anfang 2024 mit einem Bildschirm konfrontiert, den es zuvor nicht gab: Apple verlangt eine Entscheidung darüber, ob die App ausschließlich über den klassischen App Store, ausschließlich über alternative Distribution-Marketplaces oder über beide Distributionswege ausgeliefert werden soll. Diese drei Häkchen sind nüchtern formatiert, der dahinterstehende Regelapparat ist es nicht.

Der Digital Markets Act, Verordnung (EU) 2022/1925, ist am 1. November 2022 in Kraft getreten und seit dem 6. März 2024 vollständig anwendbar. Apple hat in diesem Zeitraum die wohl umfangreichste Umstellung seiner App-Store-Connect-Tooling-Architektur seit der Einführung von TestFlight als Apple-Eigenprodukt 2015 vorgenommen. Was diese Umstellung im Mai 2026 für entwickelnde Unternehmen tatsächlich bedeutet, lässt sich nur entlang dreier paralleler Architektur-Stränge nachzeichnen: der alternativen Marketplaces, der Core Technology Fee und der nach mehreren EU-Kommissions-Verfügungen modifizierten Steered-Purchase-Regelung.

Drei Distributionswege, drei Vertragslagen

Die EU-spezifischen App-Store-Connect-Settings unterscheiden in der Apple-Developer-Documentation seit Q1 2024 sauber zwischen dem Apple-eigenen App Store, der bislang einzigen iOS-Distributionsschiene, und der Kategorie alternativer Marketplaces. Alternative Marketplaces sind dabei keine direkten Sideloading-Mechanismen im Android-Sinne, sondern eigene App-Store-Anwendungen Dritter, die durch Apple per Marketplace-Entitlement zugelassen werden und ihrerseits in einem ähnlich-strukturierten Review-Verfahren prüfen.

Die operativ relevanten Marketplaces zählen sich im Mai 2026 an einer Hand ab: AltStore PAL, Setapp Mobile (MacPaw), Epic Games Store on iOS, MacroStore, Aptoide for iOS. Der gesamte Marketplace-Sektor erreicht zusammengenommen nach den jüngeren Schätzungen einschlägiger Analystenhäuser im fünfstelligen, niedrig-sechsstelligen Bereich monatlich aktiver iOS-Nutzer:innen — gemessen an den rund 90 Millionen iOS-Geräten im DMA-Geltungsbereich ein Marktanteil deutlich unter einem Prozent.

Apple hat darauf 2024 und 2025 mehrfach mit Anpassungen reagiert. Die jüngste, im Februar 2025 angekündigte und im April 2025 in Kraft getretene App-Store-Connect-Policy-Revision erlaubt es entwickelnden Unternehmen, eine App parallel im klassischen App Store und in einem oder mehreren alternativen Marketplaces zu vertreiben, ohne separate Build-Pipelines pflegen zu müssen. Voraussetzung ist die Verwendung der Notarization-Schiene und die Akzeptanz der dafür vorgesehenen Alternative Distribution Terms — eines Zusatzvertrags, der die Standard-Apple-Developer-Program-License-Agreement nicht ersetzt, sondern ergänzt.

Die Core Technology Fee und ihre 0,50-Euro-pro-Install-Logik

Im Zentrum der wirtschaftlichen Diskussion um Apples DMA-Umsetzung steht die sogenannte Core Technology Fee, abgekürzt CTF: eine Gebühr von 0,50 Euro pro erstmaligem Jahresinstall einer App über alle Distributionskanäle hinweg, sobald die App in einem rollierenden Zwölf-Monats-Fenster mehr als eine Million erstmalige Installationen erreicht.

Apple hat die CTF im Januar 2024 als Bedingung für den Zugang zu den DMA-Vertragsvarianten eingeführt — gleich, ob die entwickelnde Partei die alternativen Marketplaces tatsächlich nutzt oder nicht. Wer im klassischen App Store bleibt und sich vertraglich auf die ursprünglichen Apple-Developer-Program-License-Agreement-Konditionen beschränkt, zahlt weiterhin die klassische Provision (15 oder 30 Prozent) und keine CTF. Wer dagegen einen der Alternative Distribution Terms zeichnet, zahlt eine reduzierte App-Store-Provision (10 oder 17 Prozent) plus die 0,50-Euro-CTF — was insbesondere für hochfrequentierte Free-Apps mit großem Nutzerstamm und niedrigem Per-User-Umsatz erheblich teurer ausfallen kann als der Status quo.

Die Verhältnismäßigkeit dieser Konstruktion ist seit ihrer Einführung Gegenstand mehrerer Vorermittlungsverfahren der EU-Kommission. Im März 2024 hat die Kommission ein formales Non-Compliance-Verfahren gegen Apple eröffnet (Verfahren Nr. AT.40437 in der internen Nomenklatur), in dessen Verlauf die Kommission im Juni 2024 vorläufige Bedenken formulierte. Apple hat 2025 mit zwei nachgebesserten Term-Sheets reagiert, zuletzt im Mai 2025: Apps mit weniger als zehn Millionen erstmalige Installationen jährlich sind seither von der CTF befreit; oberhalb dieser Schwelle gilt ein gestaffeltes Modell, das die ursprüngliche flache 0,50-Euro-Logik aufbricht.

Die Apple-Developer-Documentation zur Core Technology Fee dokumentiert diese Stufung mittlerweile in einer mehrseitigen FAQ-Sektion, die laufend aktualisiert wird. Wer die Beträge konkret kalkulieren will, ist im Mai 2026 gut beraten, den von Apple bereitgestellten Fee Calculator in App Store Connect zu konsultieren, der unter „Business” → „Agreements, Tax, and Banking” → „European Union Status” verfügbar ist.

Die Kommission betrachtet die CTF in ihrer ursprünglichen Form als geeignet, die durch den DMA intendierte Marktöffnung in ihr Gegenteil zu verkehren — indem sie kleine und mittlere Marktteilnehmer:innen davon abhält, alternative Distributionswege überhaupt in Betracht zu ziehen.

— Vorläufige Compliance-Bewertung der EU-Kommission im Verfahren gegen Apple, Mai 2025

Der wohl umstrittenste Teil der App-Store-Architektur im DMA-Kontext betrifft die Frage, ob und unter welchen Bedingungen entwickelnde Parteien innerhalb ihrer iOS-Apps auf alternative Bezahlmethoden außerhalb des In-App-Purchase-Systems hinweisen dürfen. Die klassische Antwort war jahrelang: nein. Die App Store Review Guidelines, Sektion 3.1.1, untersagten bis 2021 selbst das bloße Erwähnen externer Bezahloptionen.

Dieser Zustand ist erst durch eine Kette regulatorischer und gerichtlicher Interventionen aufgebrochen worden: das Epic-vs-Apple-Urteil des US District Court for the Northern District of California vom September 2021 (Az. 4:20-cv-05640, Richterin Yvonne Gonzalez Rogers), die südkoreanische Telecommunications Business Act-Novelle vom August 2021, die niederländische ACM-Anordnung zur Dating-App-Vertikale vom Dezember 2021 und schließlich der DMA mit seinem Art. 5 Abs. 4, der Gatekeepern die Beschränkung der „Steerung” auf externe Angebote ausdrücklich untersagt.

Apple hat darauf in mehreren Wellen mit angepassten Steered-Purchase-Regelungen reagiert. Im Mai 2026 stellt sich die Lage so dar: In der EU dürfen entwickelnde Parteien innerhalb ihrer iOS-Apps auf externe Bezahlseiten verlinken, ohne im Voraus eine Apple-Erlaubnis einzuholen — eine Konsequenz aus der EU-Kommissions-Entscheidung vom April 2025, die Apple zu einer Auflockerung der ursprünglich vorgesehenen Link-Entitlement-Pflicht verpflichtet hat. Apple erhebt auf so verlinkte Transaktionen weiterhin eine Provision, deren Höhe nach den jüngeren Term-Sheets 5 Prozent bei Standard-Konditionen beziehungsweise 13 Prozent bei den klassischen Apple-Developer-Program-Konditionen beträgt.

Die parallel laufende US-amerikanische Diskussion ist von der EU-Lage zu trennen: Das im April 2025 ergangene Urteil im Epic-Apple-Compliance-Verfahren (4:20-cv-05640) hat Apple in den USA verboten, auf gesteerte externe Transaktionen überhaupt eine Provision zu erheben — eine Position, die Apple im laufenden Appeal-Verfahren vor dem Ninth Circuit angreift. Für die App-Store-Connect-Konfiguration einer in den USA und der EU vertriebenen App bedeutet das im Mai 2026 zwei territorial unterschiedliche Provisionsmodelle für ein und dieselbe Link-Out-Mechanik.

Die Drei-Säulen-Gebührenarchitektur: 30, 15, 12 Prozent

Unabhängig von der DMA-bedingten Sonderlage operiert App Store Connect 2026 weiterhin auf der bekannten gestaffelten Provisionsarchitektur, die Apple zwischen 2020 und 2023 schrittweise diversifiziert hat: 30 Prozent als Standard-Provision für In-App-Purchases und Subscription-Erstjahre, 15 Prozent für Subscription-Folgejahre und für entwickelnde Parteien im Small Business Program (Umsatzgrenze 1 Million USD jährlich), 12 Prozent für News-Publisher-Partnerschaften im Apple-News-Format und für Streaming-Plattformen mit Reader-App-Entitlement.

Diese Architektur ist im Mai 2026 unverändert, hat aber durch die DMA-Sonderregeln eine vierte und fünfte Dimension erhalten: die reduzierten Sätze unter den Alternative Distribution Terms (10 und 17 Prozent) sowie die niedrigeren Steered-Purchase-Sätze (5 und 13 Prozent). Die App-Store-Connect-Reporting-Schicht trennt diese Säulen mittlerweile in der „Payments and Financial Reports”-Ansicht sauber auf, was die Buchhaltungs-Auswertung für entwickelnde Parteien mit gemischter Distributionsstrategie merklich vereinfacht hat.

Reviews, Reject-Quoten und die Apple-Position

Eine Frage, die die Mobile-Entwickler:innen-Community seit Anfang 2024 wiederholt diskutiert, ist die nach möglichen Auswirkungen der DMA-Architektur auf die App-Store-Review-Praxis. Apple veröffentlicht zu Reject-Quoten keine vollständig granularen Daten, hat aber im Rahmen des halbjährlichen App-Store-Transparency-Reports — eingeführt 2022 als Reaktion auf US-amerikanische Hearings — aggregierte Kennzahlen offengelegt. Die jüngsten Zahlen aus dem Februar 2026 weisen für das Jahr 2025 eine globale Reject-Quote von 38 Prozent aller eingereichten Reviews aus, was im Bereich der historisch konstanten 35-bis-40-Prozent-Spanne liegt.

Eine regulatorisch motivierte Verschärfung des Review-Verhaltens für EU-Marketplace-Apps lässt sich aus den öffentlichen Zahlen nicht ablesen. Die Apple-Notarization-Pipeline für Marketplaces verfolgt nach Apple-Eigenangaben einen explizit schmaleren Prüfungs-Scope als das klassische App Review: malware-, missbrauchs- und sicherheitsrelevante Aspekte, ohne die im klassischen App Store maßgebliche Guidelines-Prüfung etwa zu Designkonsistenz oder Geschäftsmodell-Aspekten.

Was bleibt offen

Die EU-Kommission hat im April 2026 — also kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe — angekündigt, das im März 2024 eröffnete Non-Compliance-Verfahren gegen Apple in seiner Steered-Purchase-Komponente nicht endgültig zu schließen, sondern die Apple-Anpassungen vom April und Mai 2025 weiterhin als „nicht vollständig DMA-konform” einzustufen. Eine formale Compliance-Decision mit gegebenenfalls neuer Geldbuße steht weiterhin aus; nach dem in der DMA-Verfahrensordnung vorgesehenen Zeitrahmen ist sie im zweiten Halbjahr 2026 zu erwarten.

Parallel dazu läuft eine zweite Non-Compliance-Untersuchung zur CTF (eröffnet im Juni 2025), die sich nach den Apple-Anpassungen vom Mai 2025 ausschließlich auf die Frage konzentriert, ob die zehn-Millionen-Schwelle die intendierte Marktöffnung wirklich zu leisten vermag. Apple hat hier im März 2026 ein drittes nachgebessertes Term-Sheet vorgelegt, das eine weitere Anhebung der CTF-Schwelle auf 25 Millionen erstmalige Installationen jährlich vorsieht. Ob die Kommission diese Anpassung akzeptiert, ist im Mai 2026 noch offen.

Für entwickelnde Parteien in der EU lautet die operative Konsequenz: App Store Connect 2026 ist administrativ aufwendiger geworden als die Vor-DMA-Variante, ohne dass die alternative Distribution für die meisten App-Klassen eine wirtschaftlich attraktive Option darstellt. Die alternativen Marketplaces bleiben Sondersituationen — relevant für Spiele-Studios mit großen eigenen Nutzerstämmen, für Open-Source-orientierte Distributionen ohne IAP-Logik, für regionale Speziallösungen. Der Mainstream der iOS-Apps wird auch 2026 weiter über den klassischen App Store und seine klassischen Provisionssätze laufen — was möglicherweise weniger ein Resultat regulatorischer Gestaltung als der nüchternen Mathematik der Distribution-Ökonomie ist.


Ressort: iOS